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03.05.2023
Alexandra während dem Physik-Lager im Herbst 2022. Bild: Rafael Winkler.
Ich habe als Schülerin bei der Mathematik- und Physik-Olympiade mitgemacht. Zuvor hatte ich bereits an ähnlichen Mathematikwettbewerben, die von der Universität Genf organisiert wurden, teilgenommen. Ich habe alles an den Olympiaden geliebt: die Atmosphäre, die Lager und die Vertiefung des im Unterricht gelernten Stoffs. Nach meiner Teilnahme wurde ich direkt Freiwillige. Es liegt mir am Herzen, die Wissenschaft ebenso wie die Bildung zu unterstützen. Der Aktivismus für Bildung und Wissenschaft ist sehr inspirierend!
Das Wochenende wird von weiblichen Freiwilligen für die Teilnehmerinnen organisiert. Ziel ist es, dass die jungen Frauen sich untereinander austauschen können. Und dass sie ihr Interesse an Physik gemeinsam teilen können. Leider hatte ich aus Zeitmangel - und sicher nicht aus mangelndem Interesse - nie die Gelegenheit, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen.
„Sobald man zu einer Minderheit gehört, besteht die Gefahr, dass man sich in einer Gruppe weniger wohl fühlt. Es ist daher wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um Veränderungen herbeizuführen.“
Ja, sie stärken das Selbstvertrauen. Wichtig finde ich auch, dass das Thema Frauen bei der Olympiade überhaupt anzusprechen. Frauen sind in der Minderheit – die Suche nach den möglichen Gründen dafür finde ich wichtig. Sobald man zu einer Minderheit gehört, besteht die Gefahr, dass man sich in einer Gruppe weniger wohl fühlt. Es ist daher wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um Veränderungen herbeizuführen.
Die Tatsache, dass das Frauenwochenende von Frauen organisiert wird, schafft Vertrauen und verleiht den Veranstaltungen eine Art Legitimität. Weibliche Freiwillige wissen, wovon sie reden, und sind daher eher in der Lage, ihre Meinungen und Erfahrungen zu teilen. In dieser Hinsicht ist es für die Teilnehmerinnen wichtig, dass es weibliche Vorbilder gibt. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das Thema Gleichstellung auch in Räumen behandelt werden sollte, in denen auch Männer zu Wort kommen können. Meiner Meinung nach ist dies nämlich eine Problematik, die von der gesamten Gesellschaft angegangen werden muss, Frauen und Männer eingeschlossen.

Das zusätzliche Physik-Wochenende stärkt den Selbstwert der Teilnehmerinnen, sagt Alexandra. Bild: Physik-Olympiade, 2021
Es ist überhaupt nicht schwierig! Wir sind zwar im Vergleich zu den männlichen Freiwilligen in der Minderheit, aber bei den diesjährigen Camps haben mehrere Frauen unterrichtet und Vorträge gehalten. Wir hatten keine Schwierigkeiten bei der Suche nach Referentinnen. Wenn wir uns zum Ziel setzen würden, die Anzahl der Frauen, die bei Veranstaltungen sprechen, zu erhöhen, wäre das meiner Meinung nach leicht zu erreichen.
Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wissenschafts-Olympiade in der Schweiz besonders stark vom Wettbewerbsaspekt geprägt ist. Die Olympiade ist viel mehr als nur ein Wettbewerb, sie ist vor allem eine Gelegenheit, junge Menschen zu treffen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Die Vorbereitungslager und die Gruppenarbeiten bringen die Jugendlichen dazu, sich untereinander auszutauschen, was zu einem sozialen Zusammenhalt unter den Teilnehmenden und sogar zu einer gewissen Komplizenschaft führt.
„Wir können die Ungleichheiten zwar nicht ausblenden. Aber wir können dafür sorgen, dass sich Frauen in einem Umfeld, das immer noch überwiegend als männlich wahrgenommen wird, wohler fühlen, indem wir die Vertretung von Frauen in der Physik fördern.“
Jedes Jahr betrachten wir den Ablauf des Wettbewerbs aus der Perspektive der Motivationen der Teilnehmenden. In den Lagern versuchen wir, Aktivitäten zu organisieren, die das Lernen fördern, und dazu gehören auch die soziale Dimension und die Freude am Lernen. Die Olympiade soll etwas bleiben, das die Studierenden aus Leidenschaft machen. Wir organisieren zum Beispiel den Besuch des Paul Scherrer Instituts (PSI), um die Jugendlichen zu inspirieren. Dabei hatten wir auch die Gelegenheit, uns mit einer Physikerin auszutauschen. Ich möchte auch betonen, dass die Camps den Jugendlichen auch die Möglichkeit bieten, sich mit Freiwilligen aller Art (Lehrer*innen, Student*nnen, Doktorand*innen), die in der Wissenschaft tätig sind, auszutauschen und ihnen Fragen zu stellen, z. B. zum Studium oder zu Karrieremöglichkeiten.
Wir denken gerade über mögliche Ursachen für den Rückgang des Frauenanteils in den verschiedenen Phasen des Wettbewerbs nach. Seitdem wir die Online-Runde und das Lager eingeführt haben, schaffen es deutlich weniger Frauen ins Finale. Wir fragen uns daher: Haben die beiden neuen Runden einen Einfluss auf die Erfolgsquote der jungen Frauen? Beim Lager stellt sich die Frage, ob wir die Organisation verbessern könnten: Bisher ist es so, dass es pro Tag 4 Stunden Unterricht und 4 Stunden Übungen gibt. Der Inhalt ist sehr dicht, der soziale Austausch ist wichtig, aber er hat weniger Platz. Wir überlegen uns, den Lerninhalt so anzupassen, dass die Jugendlichen zusätzlich ein mehrwöchiges "Post-Camp-Programm“ erhalten. Sie könnten zu Hause Übungen in Form von Challenges machen und ihre Lösungen den Freiwilligen zur Korrektur geben. Je nach Qualität der Lösung gäbe es dann auch eine mögliche Belohnung. Dies würde es unter anderem ermöglichen, der sozialen Dimension des Lagers, die von jungen Frauen vielleicht mehr geschätzt wird, mehr Raum zu geben, ohne das Niveau des erworbenen Wissens zu verringern.
Ein zweiter Ansatzpunkt könnte es sein, das Thema Gender bei den Abendaktivitäten des Lagers aufzunehmen. Beispielsweise bei einer Debatte, die möglicherweise von Gästen moderiert würde. Solche Diskussionen würden es ermöglichen, Probleme anzusprechen, mit denen die Teilnehmerinnen möglicherweise konfrontiert sind, und gleichzeitig das Bewusstsein aller Teilnehmenden zu schärfen.
Ich habe nie eine Form von Sexismus empfunden. Ich habe in einem wohlwollenden Umfeld studiert. Es gab nie unangemessene Bemerkungen oder problematische Situationen. Es stimmt allerdings, dass der Anteil der Frauen in meinem Jahrgang mit dem Fortschreiten meiner akademischen Laufbahn abnahm. Es gab auch mehr Lehrer als Physiklehrerinnen. Was meine zukünftige berufliche Laufbahn betrifft, so habe ich bis heute keinen Grund zur Sorge - ich habe a priori die gleichen Rechte wie Männer! (lacht)
Idealerweise sollten an der Olympiade genauso viele Frauen wie Männer teilnehmen, die sich für Physik begeistern. Die Tatsache, dass Mädchen nicht dazu motiviert werden, diesen Studiengang zu wählen, ist jedoch eine Frage, die über die Olympiade hinausgeht und eher eine Frage der Erziehung ist. Wir können die Ungleichheiten zwar nicht ausblenden. Aber wir können dafür sorgen, dass sich Frauen in einem Umfeld, das immer noch überwiegend als männlich wahrgenommen wird, wohler fühlen, indem wir die Vertretung von Frauen in der Physik fördern.
Alexandra Smirnova ist 20 Jahre alt und studiert im 2. Jahr Physik an der Universität Genf. Sie ist ehemalige Teilnehmerin und Freiwillige seit 2021. Später möchte sie im Bereich der theoretischen Physik forschen. Neben ihrem Studium spielt sie unter anderem Geige und ist Mitglied des Amateurorchesters Juventutti.