Warum prickelt Champagner? Wie bilden sich Krater auf dem Mars? Mit solchen Fragen haben sich die Teilnehmenden der 55. Internationalen Physik-Olympiade in Paris auseinandergesetzt. 418 Jugendliche aus 89 Ländern versammelten sich vom 18. - 24. Juli an der École Polytechnique in Palaiseau, darunter auch fünf Schweizer*innen und zwei Liechtensteiner. David Reichmuth aus Luzern hat eine Bronzemedaille gewonnen.
Die Schweiz bei der Eröffnungszeremonie. Von vorne nach hinten: Jaël Suter, David Reichmuth, Leon Zimmermann, Diego Gassmann. (Alle Bilder: Physik-Olympiade).
Die Schweizer Delegation. Hinten von links nach rechts: Diego Gassmann, Leon Zimmermann, Jaël Suter, Elias Albrecher, David Reichmuth. Vorne: Nicolà Gantenbein und Clémence Bachmann (Delegationsleitung).
Die Liechtensteiner Delegation, von links nach rechts: Viliam Peschak (Delegationsleiter), Giulio Vogt, Leonhard Mayer, Daniel Oehry (Delegationsleiter).
Die Schweizer Delegation in Versailles. Von links nach rechts: David Reichmuth, Leon Zimmermann, Jaël Suter, Elias Albrecher, Diego Gassmann.
David Reichmuth mit Bronzemedaille bei der Schlusszeremonie.
Die Schweizer Delegation:
David Reichmuth, Kantonsschule Alpenquai (LU)
Leon Zimmermann, Technische Berufsschule Zürich (ZH)
Diego Gassmann, Technische Berufsschule Zürich (ZH)
Der Wettbewerb bestand aus zwei je fünfstündigen Prüfungen. “Die Prüfungen waren dieses Jahr sehr gut geschrieben und besonders anspruchsvoll. Unsere Teilnehmenden haben sich gut geschlagen”, so die EPFL-Studentin Clémence Bachmann, die die Delegation zusammen mit Nicolà Gantenbein, dem Präsidenten der Schweizer Physik-Olympiade, begleitet hat. Am 19. Juli fand zuerst die praktische Prüfung mit zwei Experimenten statt. “Dieses Jahr hat ein Experiment uns auf den Mars geführt, um zu entdecken, wie sich dort Krater bilden und warum die Marssonde Spirit sich im Sand festgefahren hat”, erklärt Clémence Bachmann. “Dafür braucht man einfach Sand, eine Schüssel und unterschiedlich schwere kleine Stahlkugeln. Indem man die Kugeln aus verschiedenen Höhen in den Sand fallen lässt und sie mit unterschiedlicher Energie rollen lässt, kann man die zwei Phänomene untersuchen.”
Die theoretische Prüfung am 21. Juli bestand aus drei Aufgaben. Eine davon passte besonders gut zum Gastgeberland: Die Teilnehmenden mussten analysieren, wie die Bläschen im Champagner entstehen und wie es dazu kommt, dass der Korken rausspringt, wenn man die Flasche köpft. “Toll war, wie hier verschiedene Teilgebiete der Physik ineinanderflossen, die Aufgabe aber trotzdem nicht überladen war”, findet David. Er habe seine Leistung in der praktischen Prüfung zuerst unterschätzt und daher gar nicht mit einer Bronzemedaille gerechnet, erzählt er. Dass unter den Themen der theoretischen Prüfung vor allem Mechanik vorkam, sei ihm zugutegekommen. “Allgemein wurde vermehrt auch nach Begründungen und physikalischer Intuition gefragt und das benötigte Wissen - die vorausgesetzten Formeln - war weniger anspruchsvoll im Vergleich zu vergangenen Jahren”, ordnet der 17-Jährige ein.
Abgesehen von theoretischen Überlegungen zum Champagner konnten die Teilnehmenden Paris auch ganz praktisch kennenlernen. Zwischen den Prüfungstagen erkundeten sie Versailles. Ausserdem besuchten die Teilnehmenden Museen, zum Beispiel das Musée d’Orsay, liessen sich auf einem Schiff über die Seine treiben und besichtigten zahlreiche Laboratorien. “Ich habe einerseits neue und interessante Phänomene aus der Physik kennengelernt, andererseits hatte ich die Gelegenheit, mich mit Leuten aus aller Welt auszutauschen und Einblicke in ihre Kulturen zu erhalten”, erzählt Jaël. “Die IPhO war eine grossartige und wertvolle Erfahrung und die besten Momente waren diejenigen, die ich mit so vielen verschiedenen freundlichen und offenen Menschen verbringen durfte.”
Bilder
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Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Jedes Jahr gibt es 11 Olympiaden und etwa 10’000 Teilnahmen: Workshops, Lager und Prüfungen in Astronomie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft. Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren. Die besten Teilnehmenden vertreten die Schweiz an internationalen Wettbewerben.
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